ZAP-X in Essen: Häufige Fragen zum Pionierstatus
Das Alfried Krupp Krankenhaus in Essen gehört zu den Pionieren der gyroskopischen Radiochirurgie in Deutschland und betreibt das erste ZAP-X-System in Nordrhein-Westfalen. Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick.
Was ist ZAP-X und seit wann wird es am Alfried Krupp Krankenhaus eingesetzt?
ZAP-X ist ein System für die gyroskopische Radiochirurgie, also für die hochpräzise Bestrahlung von Tumoren im Kopf- und Halsbereich ohne Schnitt. Am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen-Rüttenscheid wird es seit Anfang 2026 für die Behandlung von Patientinnen und Patienten eingesetzt.
Das Gerät traf am 17. Oktober 2025 in Essen ein und wurde anschließend installiert, kalibriert und vorbereitet. Behandelt werden damit Erkrankungen im Gehirn, an der Schädelbasis und im oberen Halswirbelbereich, in der Regel ambulant, ohne Narkose und häufig in einer einzigen Sitzung.
Ist Essen der einzige Standort in NRW mit ZAP-X?
Ja. Das Alfried Krupp Krankenhaus betreibt das erste und bislang einzige ZAP-X-System in Nordrhein-Westfalen. Für Patientinnen und Patienten aus NRW war diese Form der gyroskopischen Radiochirurgie zuvor nicht wohnortnah verfügbar.
Die übrigen deutschen ZAP-X-Systeme stehen außerhalb Nordrhein-Westfalens, überwiegend im Süden des Landes. Wer die Behandlung in Anspruch nehmen wollte, musste bislang weite Wege in andere Bundesländer auf sich nehmen.
Wie viele ZAP-X-Systeme gibt es in Deutschland?
Das Essener Gerät ist das vierte ZAP-X-System in Deutschland (Stand Ende 2025) und zählt weltweit zu den ersten rund 30 Installationen. Die drei anderen deutschen Standorte befinden sich in München, Nürnberg und Lingen.
Die gyroskopische Radiochirurgie ist damit ein noch junges Verfahren, das bisher nur an wenigen spezialisierten Zentren angeboten wird. Weltweit wächst die Zahl der installierten Systeme kontinuierlich.
Wer hat das ZAP-X entwickelt?
Das ZAP-X wurde von dem US-amerikanischen Neurochirurgen Prof. John R. Adler an der Universität Stanford entwickelt. Sein Unternehmen ZAP Surgical Systems wurde 2014 gegründet.
Adler gilt als einer der Wegbereiter der Radiochirurgie und ist zugleich der Erfinder des CyberKnife. Mit dem ZAP-X verfolgte er das Ziel, die stereotaktische Radiochirurgie einfacher zugänglich zu machen, unter anderem durch den Verzicht auf radioaktive Quellen und einen eigenen Strahlenschutzbunker.
Wie viel hat das ZAP-X gekostet und wie wurde es finanziert?
Die Anschaffung in Essen kostete rund sieben Millionen Euro. Das ist die höchste Einzelinvestition in der Geschichte des Alfried Krupp Krankenhauses.
Getragen wird die Investition auch von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Eigentümerin des Krankenhauses, die die Anschaffung mit zwei Millionen Euro fördert. Als gemeinnütziges Stiftungskrankenhaus kann das Haus solche Investitionen an der langfristigen Versorgungsqualität ausrichten statt an kurzfristiger Rendite.
Warum hat sich das Alfried Krupp Krankenhaus für dieses Gerät entschieden?
Das Alfried Krupp Krankenhaus hat sich für das ZAP-X entschieden, weil es eine schonende, ambulante und hochpräzise Behandlung von Tumoren im Kopfbereich ermöglicht und einen bestehenden Schwerpunkt der Klinik gezielt stärkt.
Hinter der Entscheidung stehen mehrere Überlegungen: der wachsende Bedarf an präziser Behandlung von Hirntumoren und Metastasen, das Fehlen einer gyroskopischen Radiochirurgie in Nordrhein-Westfalen und die vorhandene Erfahrung im interdisziplinären Zentrum für Radiochirurgie. Das Gerät wird nicht isoliert betrieben, sondern in enger Verzahnung mit Neurochirurgie, Neuroradiologie und Onkologie.
Was unterscheidet das ZAP-X von älteren radiochirurgischen Systemen?
Das ZAP-X arbeitet gyroskopisch und schirmt die Strahlung selbst ab. Damit unterscheidet es sich in mehreren Punkten von älteren Systemen wie dem Gamma Knife:
- Linearbeschleuniger statt radioaktiver Kobaltquellen, dadurch kein Austausch von Strahlenquellen nötig
- integrierte Selbstabschirmung, sodass kein eigens gebauter Strahlenschutzbunker erforderlich ist
- rahmenlose Fixierung über eine Maske statt eines am Schädel fixierten Rahmens
- Genauigkeit im Submillimeterbereich
- Behandlung in der Regel ambulant, ohne Narkose und häufig in einer einzigen Sitzung
Diese Kombination macht das Verfahren für Patientinnen und Patienten besonders schonend und im Ablauf unkompliziert.
Welche Erkrankungen werden in Essen mit dem ZAP-X behandelt?
Mit dem ZAP-X werden in Essen vor allem gutartige Hirntumore, Hirnmetastasen und Gefäßmissbildungen sowie bestimmte funktionelle Erkrankungen behandelt. Voraussetzung sind kleine, klar umgrenzte Ziele im Kopf- und Halsbereich.
Typische Beispiele sind Meningeome, Akustikusneurinome und einzelne oder mehrere Hirnmetastasen, außerdem die Trigeminusneuralgie und kleine Tumorreste nach einer Operation, die im Verlauf wachsen. Ob die Radiochirurgie im Einzelfall geeignet ist, wird individuell im interdisziplinären Tumorboard beurteilt.
Können auch Patientinnen und Patienten von außerhalb NRW in Essen behandelt werden?
Ja. Das ZAP-X-Zentrum in Essen steht Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland offen, nicht nur aus der Region. Als eines der wenigen Zentren mit gyroskopischer Radiochirurgie behandelt es auch überregional zugewiesene Fälle.
Der Kontakt erfolgt entweder über die behandelnden Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise onkologische Zentren oder durch eine eigene Anfrage. Häufig lassen sich die Befunde bereits vor der Anreise beurteilen, sodass unnötige Wege entfallen. Der ambulante Ablauf erleichtert die Anreise zusätzlich.
Wie lange dauert eine ZAP-X-Behandlung?
Eine ZAP-X-Behandlung dauert in der Regel nur etwa 20 bis 45 Minuten und erfolgt meist in einer einzigen Sitzung. Die genaue Dauer hängt von Größe, Lage und Anzahl der zu behandelnden Herde ab.
Eine Narkose ist dabei in der Regel nicht nötig, und die Bestrahlung selbst ist schmerzfrei. Die meisten Patientinnen und Patienten können noch am selben Tag wieder nach Hause. Liegen mehrere Herde vor, lassen sie sich oft in derselben Sitzung behandeln.



